ALTES HANDWERK NEU ENTDECKEN
DIE OLDTIMERFREUNDE HALLENBERG HABEN DREI HISTORISCHE WERKSTÄTTEN EINGERICHTET.
Von Rita Maurer
20-jähriges Vereinsjubiläum, drei Tage Fest mit einem Riesen-Programm, Oldtimer-Rallye, verschiedenen Ausstellungen und Live-Konzerten im vergangenen September. Dazu zahlreiche weitere Termine im Jahreskalender. Man könnte meinen, dass die Oldtimerfreunde Hallenberg nach ihrem Jubiläumsjahr 2025 jetzt erstmal durchatmen und einen Gang zurückschalten. Aber nein, die Ideenschmiede läuft weiter auf Hochtouren.
Schmiede ist dabei direkt das passende Stichwort: Eine solche ist nämlich in der repräsentativen Oldtimerhalle entstanden, die der Verein 2012 im Weifeweg gebaut hat. Und nicht nur eine alte Schmiede, auch eine funktionstüchtige Schreinerei und eine Schusterwerkstatt haben dort eine neue Heimat gefunden.



Bei den Oldtimerfreunden ahnt man schon, dass es sich dabei nicht um hochmoderne, computergesteuerte Arbeitsplätze handelt, sondern um voll funktionsfähige, historische Original-Werkstätten, in denen uraltes, bewährtes Handwerk, das früher eng mit dem Alltagsleben verbunden war, vor- und ausgeführt werden kann.
Diesen Aufwand betreibt der Verein nicht für sich alleine: Neben dem Ziel, alte Handwerkstraditionen und damit ein Stück Kultur zu bewahren, soll es künftig Workshops mit Kindergartenkindern, Grundschulklassen und auch Erwachsenen geben, bei denen der Umgang mit Holz, Leder, Metall und entsprechenden Werkzeugen altersgerecht vermittelt wird … und das nicht nur durch Zugucken, sondern aktives und – im digitalen Zeitalter ganz analoges – Mitmachen. Die Projekt-Ideen dafür sind vielfältig: vom Frühstücksbrettchen über Nistkästen, Lederarmbändchen bis hin zur traditionellen Rassel für die Kartage oder auch Kommunion bzw. Konfirmations-Kreuzchen, Grillhaken oder Freundschaftsund Eheringen ist vieles denkbar. Unterstützt wurde das ambitionierte Vorhaben über ein LEADER-Projekt und einen finanziellen Zuschuss aus dem „EU-Programm zur Förderung der ländlichen Entwicklung“.



KNAPP 4.000 STUNDEN EIGENLEISTUNG VON DREI GENERATIONEN
Für die drei Werkstätten ist ein Teil der Oldtimerhalle über zwei Jahre mit knapp 4.000 Stunden Eigenleistung von drei Generationen aufwändig umgebaut worden. Rückw.nde und halbhohe Abtrennungen sind aus tausenden Ziegeln gemauert worden. Das Besondere an ihnen: Sie haben noch das „alte Reichsformat“, das von 1872 bis ca. 1950 in Deutschland verbaut wurde, bevor die Ziegel eine DIN-Norm erhielten. Es lohnt sich, diesen Ziegelmauern mit ihren kunstvollen Simsen und Nischen einen genaueren Blick zu widmen: Immer wieder entdeckt man kleine eingemauerte Hingucker wie Hufeisen, Türangeln und -haken, einen Spielzeugtrecker, Schnapspinneken, alte Schilder oder ähnliche Dönekes.
Drei aufgearbeitete Stallfenster simulieren einen Blick nach draußen ins Hallenberg zu Omas Zeiten durch historische Fotos. Eins davon zeigt einen kleinen Markt am ehemaligen Dreschschuppen, der bis vor einigen Jahrzehnten an der Stelle der heutigen Oldtimerhalle stand und der Vorläufer der Regionalmärkte war, den die Oldtimerfreunde dreimal im Sommerhalbjahr veranstalten. À propos: Die nächsten Termine dafür sind übrigens der 27. Juni und der 22. August, jeweils von 10 bis 16 Uhr.
AUSSTELLUNGEN IN PLANUNG
Insgesamt soll die Oldtimerhalle künftig mit wechselnden Ausstellungen weiter aufgewertet werden. Als Themen sind Land- und Forstwirtschaft, Technik früher und heute, regionale Industriegeschichte oder Leben und Arbeiten auf dem Land in früheren Zeiten angedacht.
Auch, wenn die Oldtimerfreunde Hallenberg sich viel mit der Vergangenheit beschäftigen, sind sie dennoch ganz zeitgemäß unterwegs: Es lohnt sich, ihnen auf Instagram zu folgen. Dort erfährt man in originellen Beiträgen, Reels und Storys alle anstehenden Termine und Initiativen des Vereins – und bald auch den offiziellen Eröffnungstermin der drei alten und doch ganz aktuellen Werkstätten.
Fotos: Rita Maurer