„Die Fakten müssen auf den Tisch“: Drolshagener Geschichtswerkstatt haucht der Vergangenheit neues Leben ein

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Drolshagen. Jeder Ort hat seine Geschichte – und auch seine Geschichten. Dafür, dass die Historie, aber auch die Erzählungen, die rund um die Stadt Drolshagen überliefert sind, nicht in Vergessenheit geraten, setzt sich seit mittlerweile sechs Jahren die Drolshagener Geschichtswerkstatt ein. Inzwischen haben die engagierten Heimatforscher, die dem Drolshagener Heimatverein angeschlossen sind, bereits drei Publikationen herausgebracht, die ihre wertvolle Recherchearbeit auch einem breiten Publikum zugänglich macht.

Als die Geschichtswerkstatt im Jahr 2012 aus der Taufe gehoben wurde, war die Skepsis, ob sich eine solche Runde fest in der Vereins- und Veranstaltungslandschaft der Stadt etablieren könnte, zunächst groß, erinnert sich ihr Gründer Dr. Peter Vitt. Schnell habe sich dann aber gezeigt, dass es eine ganze Reihe geschichtsinteressierter Bürger gibt, die sich gemeinsam dafür stark machen wollen, die Geschichten der Stadt und ihrer 56 Ortschaften für die Nachwelt zu konservieren.

Dazu befassen sich die Mitglieder der Geschichtswerkstatt einzeln oder in Gruppen mit Persönlichkeiten und Gegebenheiten ihrer Heimat, die den Verlauf der Geschichte prägten. An jedem letzten Donnerstag der ungeraden Monate werden die Ergebnisse der teils recht umfangreichen Recherchen schließlich ab 19 Uhr im Drolshagener Heimathaus vorgestellt.

Damit aber nicht genug: Im Jahr 2015 kam der erste Teil der Heftreihe „DROLSHAGENER GESCHICHTEn“ heraus, die die Recherchearbeiten der engagierten Geschichtsforscher nun auch der der breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. „In der ersten Ausgabe haben wir Drolshagener Persönlichkeiten vorgestellt, die nicht nur in ihrer Heimatstadt selbst, sondern häufig auch in fremden Orten und Ländern Spuren hinterlassen haben“, berichtet Dr. Peter Vitt, der im Anschluss an sein Berufsleben noch in Geschichte promovierte.

"Die Fakten müssen auf den Tisch": Drolshagener Geschichtswerkstatt haucht der Vergangenheit neues Leben ein - region, drolshagen"Die Fakten müssen auf den Tisch": Drolshagener Geschichtswerkstatt haucht der Vergangenheit neues Leben ein - region, drolshagen

Themen, mit denen sich die Mitglieder befassen, sind etwa Vereins- oder Dorfchroniken, Sachthemen wie Straßen, Post, Eisenbahn, Elektrifizierung, Wasserversorgung, Kirche, Kloster, Handwerk, Industrie, Wüstungen und Bevölkerungsentwicklung, aber auch das Leben und Wirken hiesiger Persönlichkeiten – angefangen bei den Rittern von Drolshagen bis zu Personen aus dem 20. Jahrhundert, seien es Pfarrer, Bürgermeister, Lehrer, Handwerker oder Geschäftsleute.

Aktuell befasst sich etwa Regina Stahlhacke-Schmandt mit der Verlegung der Epilepsieabteilung des Drolshagener Gerhardus-Hospitals im Jahr 1943. Damals wurde auf Anordnung der Regierung im Gerhardus-Haus ein Lazarett für verwundete Soldaten eingerichtet und ein Teil der Bewohner, nämlich 78 Epileptiker und psychisch Kranke, mit dem Zug von Drolshagen in ein betreutes Haus nach Niedermarsberg gebracht. Dabei hätten sich teils herzzerreißende Szenen abgespielt, als die Patienten – offenkundig gegen ihren Willen – gezwungen wurden, zu Fuß durch Drolshagen zum Zug zu marschieren, wo sie schließlich einen Sonderwaggon besteigen mussten, der sie nach Obermarsberg bringen sollte. „Ich suche Menschen, die sich noch an diesen Vorgang erinnern können“, erklärt Regina Stahlhacke-Schmandt. Zeitzeugen, die die Recherche mit ihren persönlichen Eindrücken bereichern wollen, können sich per E-Mail an regina.stahlhacke-schmandt@gmx.de wenden.

„Lokale Geschichtsarbeit macht Spaß, ist für die Gegenwart und Zukunft wertvoll und erhöht die Liebe sowie das Engagement für unser schönes, geschichtsträchtiges Drolshagener Land“, schreiben Dr. Vitt und Dr. Stephan Schlösser, Vorsitzender des Drolshagener Heimatvereins, im Vorwort zum ersten Teil der „DROLSHAGENER GESCHICHTEn“. Wer selbst Lust hat, in Sachen Geschichtsforschung aktiv zu werden, ist herzlich eingeladen, an einem der regelmäßigen Treffen teilzunehmen. „Das einzige, was man mitbringen sollte, ist Neugierde“, sagt Dr. Schlösser. Das Handwerkszeug geben die erfahrenen Heimatforscher neuen Mitglieder gern mit an die Hand: „Wir erklären bei Bedarf, wie man wissenschaftliche Texte verfasst oder geben eine Anleitung, wie man Bibliotheken oder Archive nutzt, um Informationen systematisch aufzuarbeiten oder beispielsweise einen Familienstammbaum zu erstellen“, sagt Dr. Vitt. Denn: „Wir können nicht allein von der Erinnerung der Leute leben. Die Fakten müssen auf den Tisch, und dazu müssen wir ins Archiv!“

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