Wer in Gerlingen wohnt, kennt sie bestimmt: die Holzköpfe, im Schaufenster der Atelier-Schreinerei Burkhard Ridder. Zunächst naturbelassen erstrahlen einige von ihnen inzwischen mit buntem Antlitz. Ebenso sind Leinwände ausgestellt. Die Geschichte, die dahintersteckt, ist so einzigartig wie die Holzköpfe selbst.

Die Skulpturen, die aus der Zusammenarbeit des Holzkünstlers Burkhard Ridder und des Malers Sami Gebremariam entstanden sind, sind das Ergebnis einer engen Freundschaft. Stumm erzählen sie von ihrer Entstehungsgeschichte, die aus festem Handwerk und feinen Pinselstrichen geschrieben wurde. Die Idee, sie mit Farbe zu versehen, entstand durch Zufall während einer Ausstellung in Grevenbrück.

Sami Gebremariam - Burkhard RidderFür Kunst hatten sich Burkhard und Ursula Ridder schon immer interessiert. Besonders die Kunst der Moderne und die Bauhaus-Architektur haben es den Gerlingern angetan, die selbst eine Sammlung besitzen. Kein Wunder, dass der Schreiner und studierte Innenarchitekt irgendwann den Werkstoff seiner Arbeit mit der Leidenschaft verband und daraus einzigartige Kunstwerke erschuf. Mit der allmählich heranwachsenden Freundschaft zwischen ihm und Gebermariam, der in Eritrea geboren und in Addis Abeba in Äthiopien gelebt hat, strahlten die geschnitzten Köpfe durch die Hände des Malers erstmals in bunten Farben.

„Die Bilder von Sami erzählen richtige Geschichten“, lobt Ridder die Arbeit seines Freundes anerkennend. „Einige der Elemente, die er auch beim Bemalen der Köpfe nutzt, wiederholen sich in seinen Bildern immer wieder.“ Die Ornamente des Künstlers wirken wie eine Unterschrift. Doch das ist nicht das einzige Merkmal, an dem sich die gemeinsame Arbeit erkennen lässt. Auf den ersten Blick scheint es paradox, doch ist es gerade die Individualität jeder Holzbüste, die auf die Zusammenarbeit der beiden Künstler verweist. „Diese Einzigartigkeit, die im Gesicht jedes Menschen steckt, fasziniert mich“, erklärt Ridder seine Vorliebe für die Schnitzerei von Köpfen.

Wenn er die Arbeit an einer Skulptur beendet hat, kann Gebermariam beginnen. Meistens malt er nach Gefühl und versieht Gesicht, Haare und Hals vornehmlich mit afrikanischen Motiven. Schon als Kind malte er sehr gern. Nach der Schule absolvierte er ein Kunststudium und eröffnete danach in seiner Heimat ein eigenes Atelier. Nebenbei arbeitete Gebermariam mit autistischen Kindern. „Das würde ich hier in Deutschland gerne wieder tun“, erklärt der junge Künstler. Leider hatte er das in seiner Heimat zurücklassen müssen.

Sami Gebremariam - Burkhard RidderDie Passion, kreative Werke zu gestalten, ging auf seiner Flucht nicht verloren. Auch deshalb begann er, wieder an Bildern zu arbeiten, sobald er in Finnentrop die Möglichkeit dazu bekam. Zwar ist der Platz in seiner Unterkunft nicht sehr groß, dennoch gelang es ihm, seine Phantasie zu entfalten und die Bilder in seiner Vorstellung mit Acrylfarbe auf Leinwänden zu verewigen. Auch in Deutschland konnte der Künstler von seinem Talent überzeugen und bekam Ende 2015 die Chance, seine Werke im Kulturbahnhof in Grevenbrück auszustellen.

Von der Ausstellung des afrikanischen Malers hörten auch Burkhard und Ursula Ridder. Die Fotos der Bilder aus der Pressemitteilung machten die beiden neugierig. So kam es, dass sie zur Ausstellung fuhren, um die Bilder hautnah betrachten zu können. Während der Ausstellung kamen die beiden Künstler schließlich miteinander ins Gespräch und beschlossen schnell, miteinander in Kontakt zu bleiben. Anfang 2016 kam Ridder auf die Idee, gemeinsame Projekte anzugehen. Er gab ihm eine Büste und ließ Gebermariam „einfach mal machen“.

Künstlerporträt Sami Gebremariam - Burkhard RidderGut ein Jahr später blicken die beiden nicht nur auf viele gemeinsame Werke, sondern auch auf eine gemeinsame Freundschaft. „Inzwischen haben sich viele Ideen entwickelt. Manchmal zeichne ich auch einen Kopf und Burkhard schnitzt dann nach meiner Zeichnung“, erklärt Gebermariam. Auf diese Weise ist auch der Kopf einer afrikanischen Frau entstanden. Auffällig ist, dass die anderen Gesichter eher europäische Züge aufweisen, da sie für Ridder greifbarer sind. Durch die afrikanischen Ornamente wird die interkulturelle Komponente der Arbeit der beiden noch hervorgehoben.

Die Entwicklung der Kunstwerke zeigt, dass sich die beiden Künstler im Laufe ihrer Zusammenarbeit durch ihre Arbeitsweisen nach und nach angenähert und miteinander weiterentwickelt haben. Auch deshalb hoffen Ursula und Burkhard Ridder, dass Sami bleiben kann. „Wir wünschen uns, dass er endlich frei wird, arbeiten und seine Werke bald verkaufen darf.“ Genau das wünscht Sami sich auch.

von Denise Fischer [Text] Björn Bernhardt, Burkhard Ridder [Fotos]

heimatliebe biggesee . ausgabe 2Dieser Artikel wurde zuerst in der Print-Ausgabe unseres HEIMATLIEBE-MAGAZINs veröffentlicht.

 

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