Man nehme….Kartoffeln, Buchenfeuer und viel gute Laune!

Experte Mattes Grebe verrät der HEIMATLIEBE seine erprobten Tipps für die perfekte Erdknolle aus der Glut und das exakte Maß einer Deifelder Bierlänge

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Von Rita Maurer

Deifeld. Kartoffelbraten – das lernt ein richtiger Sauerländer, sobald er abgestillt ist. Wer jetzt denkt, dass man dazu einfach ein Lagerfeuer macht und ein paar im Keller herumliegende Kartoffeln in die Glut wirft, der liegt falsch. Oder nur ein bisschen richtig. Denn ein richtiges Sauerländer Kartoffelfeuer braucht eine ordentliche Vorbereitung. Die HEIMATLIEBE hat deshalb lange nach einem Experten gesucht und ihn schließlich gefunden: Matthias Grebe aus Deifeld, seines Zeichens Ortsheimatpfleger von Deifeld und Wissinghausen und natürlich Sauerländer durch und durch, hat uns in die tiefen Geheimnisse des Kartoffelbratens eingeweiht.

Man nehme....Kartoffeln, Buchenfeuer und viel gute Laune! - region, region-wi-me-ha, medebachEs geht schon damit los, dass man nicht einfach ein paar Holzscheite ansteckt. Stattdessen sind frisch gefällte und gespaltene Buchen gefragt, am besten zwei Raummeter, die in meterlange Stücke gesägt worden sind. Weil das Kartoffelbraten in einer großen Runde am meisten Spaß macht, nehmen wir Mengen für 10 bis 15 Leute an.

Als erstes wird ein Feuerchen aus trockenen Fichtenästen angefacht. Sobald dieses brennt, legt Matthias Grebe die abgesägten kleinen Buchenäste und anschließend ungefähr die Hälfte der gespaltenen Meterstämme längs und quer darauf. Andere Kartoffelbräter schwören auf die Art, die Stämme wie ein Indianerzelt über das Feuerchen zu stellen und oben aneinander zu lehnen. Nach und nach werden weitere Stämme nachgelegt. Bis ca. zwei Drittel der geschlagenen Holzstämme herunter gebrannt sind und genügend Glut verursacht haben, kann es an die vier Stunden dauern. Aus dem restlichen Holz wird ein kleines Nebenfeuer gemacht, mit dem die Kartoffelglut später heiß gehalten wird.

Schwarze Glut mit weißgrauen Spitzen

Dafür muss jedoch erst einmal die Hauptglut soweit abkühlen, dass keine rot glühenden Kohlen mehr zu sehen sind, sondern die Glut schwarz mit weißgrauen Spitzen wird. Wie lange das dauert? Drei Bierlängen nach Deifelder Zeitrechnung. Oder ungefähr eine Dreiviertelstunde.

Viele Kartoffelbräter wickeln die frisch geernteten Kartoffeln in Alufolie ein, aber davon rät Matthias Grebe ab, weil dabei ungesunde Stoffe freigesetzt werden könnten. Und jetzt kommt der große Moment der Kartoffeln: Sie werden in die mit einer Schüppe auseinander gezogene Glut gelegt und… …tja, da streiten sich die Kartoffelbrat-Wissenschaftler: Manche lassen die Knollen eine Viertelstunde auf der Glut schwitzen und schüppen sie dann erst zu. Matthias Grebe empfiehlt aus seiner jahrzehntelangen praktischen Erfahrung, die Kartoffeln sofort mit der heißen Kohle abzudecken. Und gleich noch ein Tipp: Grobe, ungeräucherte Bratwürste wie ein Bonbon in Butterbrotpapier (merke: keine Alufolie!) einwickeln und zusammen mit den Kartoffeln in die Kohle legen – nebeneinander, nicht übereinander! Alles mit ungefähr fünf Zentimeter heißer Glut abdecken.

Bratwurst geschmacklich eine echte Wucht

Nach etwas mehr als einer Viertelstunde – also einer weiteren Bierlänge – sind die Würstchen schon so weit und können mit einer Greipe oder einem langen Buchenstock aus der Glut gefischt werden. Sie sehen zwar dann nicht, wie man es vom Grillen her gewöhnt ist, schön braun, sondern eher noch ein bisschen blass um den Zipfel aus. Sie sind aber auf diese Art in ihrem eigenen Saft geschmort geschmacklich eine echte Wucht, verspricht Matthias Grebe. Die Kartoffeln haben noch etwas länger Zeit und werden nach ca. 35 Minuten angetestet. Wie man sich diese Wartezeit vertreibt, haben wir ja bereits gelernt! Lässt sich die Kartoffel aufknicken, ist sie gut. Platzt die Schale noch nicht auf, braucht der Erdapfel noch weitere fünf Minuten. Ist die Kartoffel pottschwarz – tja, dann war die Glut noch zu heiß, ein neuer Versuch muss her. Aber den macht man ja sowieso, weil das Kartoffelbraten so schön gemütlich und gesellig ist. Wenn das Wetter passt und es nicht zu windig ist, sind durchaus drei bis vier Durchgänge möglich.

Mit dem Schwedenfeuer den Tag ausklingen lassen

Der kernige Sauerländer verzehrt seine Feuerkartoffel mitsamt Schale ohne Salz und Butter, die Wurst hat er ja schon vorher zu sich genommen. Aber versprochen: Beilagen aus eingelegtem Hering, Kräuterbutter oder Salaten werden gegen einen entsprechenden Bier-Obolus geduldet!

Und noch ein Tipp von Matthias Grebe: Wenn wirklich alle satt sind und es vielleicht auch schon langsam dämmert, kann die restliche Glut herrlich für Schwedenfeuer eingesetzt werden.

 

 

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