Von Rita Maurer

Hallenberg. Es ist ein unscheinbarer kleiner Karton, aber er steckt für Hallenberg voller greifbarer Geschichte: Zahlreiche Keramikscherben und  auch einige Knochen von Schweinen und Rindern sind neben jetzt gefundenen Mauerfundamenten ein deutliches Zeichen, dass es auf dem Burgplatz in Hallenberg wohl tatsächlich die seit Mitte des 13. Jahrhunderts vermutete Burg mit ihren Bewohnern gegeben hat. Kurios dabei: Mauerreste und Scherben aus dem 13. Jahrhundert in Hallenberg gefunden - region, region-wi-me-ha, hallenbergDie geschulten Archäologen erkennen anhand der Knochenreste, dass es sich um ausgewachsene Tiere gehandelt haben muss, was wiederum ein Zeichen dafür ist, dass in den Burggemäuern gut gelebt wurde, denn die ärmeren Bauern und Siedler konnten sich solches Essen meistens nicht leisten.

Mauerreste und Scherben aus dem 13. Jahrhundert in Hallenberg gefunden - region, region-wi-me-ha, hallenberg
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Der Burgplatz in Wurfnähe der Pfarrkirche wurde in der vergangenen Woche ca. einen halben Meter tief abgetragen, dabei entdeckten die Archäologen Maya Stremke und Andreas Knäpper bislang Mauerreste von zwei Häusern, eine Grube, die einmal ein Brunnen gewesen sein könnte, sowie eine weitere Stelle, an der rötliche Bodenspuren und Keramikscherben auf eine Koch- oder Ofenstelle hinweisen. Die Art der sicher gestellten Scherben zeigt den Experten nach erstem Augenschein, dass es sich um Relikte aus dem 13. Jahrhundert handeln muss.Mauerreste und Scherben aus dem 13. Jahrhundert in Hallenberg gefunden - region, region-wi-me-ha, hallenberg

Bislang weist laut der Hallenberger Chronik eine Silbermünze von 1250 und ein urkundlicher Beleg über die Ernennung des ersten Burgmannes in Hallenberg aus dem Jahr 1259 auf den Bau der Burg in Hallenberg und die Entstehung einer Siedlung rundherum hin. Der Burgplatz als höchste Anhebung im Altstadt-Bereich bot den Burgherren damals einen weiten Blick in das hessische Grenzgebiet zu den verfeindeten Waldeckern. Bei der besagten Burg soll es sich nicht um eine steinerne Festung, sondern um ein eher einfaches Gebäude aus Lehmfachwerk mit einem Steinfundament gehandelt haben, so die Chronik. Die jetzigen Funde könnten genau das belegen. Eines der beiden bisher entdeckten Gebäude zeigt Brandspuren auf. Diese könnten wiederum Hinweise darauf sein, dass die Burganlage und die gerade erst entstandene, zum Erzbistum Köln gehörende Stadt Hallenberg im Jahr 1288 vom Grafen Otto von Waldeck niedergebrannt wurde.

Mauerreste und Scherben aus dem 13. Jahrhundert in Hallenberg gefunden - region, region-wi-me-ha, hallenbergUm 1405 verbrannten die Stadt und vermutlich auch die Reste der schon einmal abgebrannten Burg komplett. Auf alten Stadtplänen ist der Burgplatz über Jahrhunderte hinweg als unbebaute Freifläche eingezeichnet. Nach dem deutsch-französischen Krieg 1870/1871 wurde hier die bis heute erhaltene Friedenseiche gepflanzt. Um den Burgplatz ranken sich schon seit Generationen Erzählungen von alten unterirdischen Gängen zum Kreuzberg, Verliesen und Mauerresten, sogar von einer „Goldenen Wiege“ ist die Rede.1729 wurden hier Kirchenglocken gegossen, Hinweise darauf sind jetzt aktuell nicht gefunden worden. Auch ein „Hexenturm“ hat hier gestanden, in dem der Hexerei bezichtigte Bürger bis zur ihrer Verurteilung eingekerkert wurden. Ältere Hallenberger erinnern sich, dass zu ihren Kinderzeiten dort tiefe Löcher im Boden waren. Ende des Zweiten Weltkrieges wurde auf dem Burgplatz eine Flakstellung eingerichtet und dafür ein Schützengraben ausgehoben, doch auch hierbei wurden keine Mauerreste gefunden.Mauerreste und Scherben aus dem 13. Jahrhundert in Hallenberg gefunden - region, region-wi-me-ha, hallenberg

Jetzt endlich sind diese immer dort vermuteten Relikte auf dem Burgplatz entdeckt worden. Genauere wissenschaftliche Untersuchungen und endgültige werden in den nächsten Wochen folgen. Auch die Grabungen werden fortgeführt und könnten – je nach Wetterlage – noch bis zu zwei Wochen in Anspruch nehmen.

Mauerreste und Scherben aus dem 13. Jahrhundert in Hallenberg gefunden - region, region-wi-me-ha, hallenbergDie Funde, die in diesem Fall jedoch keinen materiellen Wert haben, stehen laut der „Schatzregal“-Regelung aus dem 2013 verschärften Denkmalrecht dem Land NRW zu. Ob sie künftig in einer Ausstellung zu sehen sind, kann noch besprochen werden, so Prof. Baales. Ebenfalls wird nun überlegt, ob und inwiefern die Mauerreste in die geplante Neugestaltung des Burgplatzes integriert werden können. Eine Verpflichtung, sie zu erhalten, besteht für die Stadt Hallenberg nicht.

 

 

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