Von Rita Maurer

Oberschledorn. „Einmal Sauerland, immer Sauerland“ – so lautet seit Jahren das Zeltlager-Motto der Katholischen Kirchengemeinde Bohmte bei Osnabrück. Aber so sehr wie in diesem Jahr wussten die 80 Kinder zwischen 9 und 15 Jahren sowie ihre 30 Betreuer die Gastgeberqualitäten der Sauerländer noch nie zu schätzen.

Oberschledorn steht in diesem Jahr auf ihrem Programm, wie Lagerleiter Lars Schlicke erzählt. Anfang Juli sind die Betreuer angereist, um das Lager samt zehn Großraumzelten und Küche an der Schützenhalle vorzubereiten. Am Mittwoch, 5. Juli, kamen dann die Kinder und Jugendlichen an und freuten sich über das herrliche Sommerwetter und die vor ihnen liegenden zehn Tage mit spannendem Programm und vielen Spielen. Doch am nächsten Tag schon drohte das gesamte Lager buchstäblich ins Wasser zu fallen: Ins Abendessen platzte ein Gewitter samt Sturm und Starkregen, das so heftig war, dass die Dächer der großen Zelte nicht standhielten und das Wasser zentimeterhoch in den Zelten stand. Ergebnis: 110 völlig durchnässte Schlafsäcke und Iso-Matten incl. des gesamten Gepäcks.

Oberschledorn zeigt Herz für ein geflutetes Zeltlager - region, region-wi-me-ha, medebachDa war guter Rat teuer, so Lars Schlicke. Alles sah nach einer ungemütlichen Nacht in der Schützenhalle in Unmengen an feuchter Wäsche aus, die erfahrungsgemäß unter solchen Bedingungen nicht trocknen würde. Sogar der Abbruch des Lagers stand zur Debatte. Deshalb überlegten die Teilnehmer, an den benachbarten Häusern zu klingeln und um Hilfe zu bitten. Mit großem Erfolg: In kürzester Zeit liefen in zahlreichen Haushalten in Oberschledorn die Telefone und Trockner heiß. Nachbarschaften, Stammtische und WhatsApp-Gruppen wurden flott gemacht, Geburtstagsfeiern förmlich in die Waschküche verlegt. Die Kinder aus dem Zeltlager liefen mit Betreuern und den nassen Sachen durch die Straßen und gaben sie in den Häusern ab, viele Oberschledorner fuhren auch zur Schützenhalle und holten dort große Wäscheberge, um sie zu Hause zu trocknen.

Oberschledorn zeigt Herz für ein geflutetes Zeltlager - region, region-wi-me-ha, medebachKurz vor Mitternacht war es tatsächlich geschafft: Das Lager mit sämtlichen Kindern war in die Schützenhalle evakuiert worden, und die Oberschledorner standen wieder Schlange, um nun die getrockneten Sachen für alle wieder zurückzubringen. Katharina Grawe aus Oberschledorn war auch unter den vielen Helfern und schildert den herzlichen Empfang: „Als wir mit den getrockneten Schlafsäcken an der Halle ankamen, standen die Kinder und Betreuer Spalier, haben uns mit tosendem Beifall empfangen und sich immer wieder bedankt. Es war auch für uns sehr schön, auf so einfache Weise helfen zu können.“

Ein riesengroßes Dankeschön von Bohmte an Oberschledorn

Am Sonntag waren die Bohmter in der Kirche und möchten nun auch auf diesem Weg allen guten Geistern Danke sagen: „Ohne die Super-Unterstützung der Oberschledorner hätten wir es nicht geschafft. Uns gefällt es so gut hier – vielleicht taufen wir unser Motto um in „Einmal Oberschledorn, immer Oberschledorn!“

Am Rande: Laut Wetterexperte Julian Pape waren von dem starken Gewitter am letzten Donnerstag nur die Region um Hallenberg und Medebach betroffen, in Winterberg blieb es dagegen trocken. In sehr kurzer Zeit fielen 10 bis 15 Liter Regen pro Quadratmeter – genug, um ein Zeltlager zu fluten.

 

 

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