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Von Rita Maurer:

Hallenberg. Ärgerlich: Die Metallschnalle des Lieblingsgürtels ist kaputt, der Dorn einfach abgebrochen. Für die meisten wohl ein Grund, sich von dem guten Stück zu verabschieden. Nicht so für Kai Knecht aus Hallenberg. Als sich seine Gürtelschnalle weder kleben noch zusammenschweißen ließ, sägte sich der Tischlermeister kurzerhand aus einem Stück Eichenholz eine neue mit einem rundgehämmerten Nagel als Dorn zurecht, um den Lederriemen nicht wegwerfen zu müssen.

Damit war für den 31-Jährigen die Sache eigentlich erledigt. Aber nicht für viele Bekannte oder Arbeitskollegen, die ihn jetzt auf seinen originellen Gürtel mit der markanten Holz-Schließe ansprachen. Und so entstand bei Kai Knecht die Idee, dieses Provisorium weiter zu entwickeln.

Im Internet stieß er nach langem Suchen auf eine Gerberei in Bayern, die Rindsleder von bayrischen Kühen ohne Chrom gerbt. In Nistetal fand er einen Furnierhersteller, der ihm das passende Holz liefert. „Mir ist der ökologische Gedanke von heimischen Materialen aus artgerechter Haltung wichtig. Deshalb biete ich nur noch Hölzer an, die auch in Europa wachsen.“ Das sind dann neben Walnuss, Olive oder Eiche zum Beispiel Pflaume, die einen rötlichen Ton hat, oder Mooreiche, die fast grau-schwarz wirkt.

Gürtel mit Wunsch-Motiv "made in Hallenberg" - region, region-wi-me-ha, hallenberg
Foto: Rita Maurer

Aus dem viereckigen Holzstück vom ersten Gürtel sind inzwischen verschiedene Formen geworden, auch ovale oder ganz schmale Schnallen für Damen oder Kinder sind möglich, ebenso eine zusätzliche Metall-Öse, um den Lederriemen selber zu wechseln. Und alle tragen einen winzigen eingelaserten Fingerabdruck als Markenzeichen: das Logo von Kai Knecht: „Der Fingerabdruck steht für handgemacht und einzigartig, so wie auch jeder Gürtel ein Unikat ist.“ Eben echt „Made in Hallenberg“. Auch die Idee mit dem Einlasern hat inzwischen Beine bekommen: „Wenn man eine so kleinen Fingerabdruck so detailliert einlasern kann, muss das doch auch mit anderen Motiven funktionieren“, sagte sich Kai Knecht. Und es funktioniert wirklich.

Gürtel mit Wunsch-Motiv "made in Hallenberg" - region, region-wi-me-ha, hallenberg
Foto: Rita Maurer

In Frankenberg hat er einen Laden entdeckt, der eigentlich Pokale graviert. Gemeinsam haben sie einen Weg ausgetüftelt, nun auch verschiedene Motive überraschend detailgetreu auf die Holzoberfläche zu lasern. Dabei ist fast jedes Foto umzusetzen – ob Sauerland-Kulisse oder ein Fachwerkhaus. Sogar zwei Hunde sind so schon für ihr Herrchen auf einer Schnalle verewigt worden. Und ganz neu im Programm: Gürtel mit der „Skyline“ oder dem Logo von Hallenberg!

Gürtel mit Wunsch-Motiv "made in Hallenberg" - region, region-wi-me-ha, hallenberg

Gürtel mit Wunsch-Motiv "made in Hallenberg" - region, region-wi-me-ha, hallenberg
Foto: Rita Maurer

Beim Werdegang seines persönlichen Gürtels darf der zukünftige Besitzer auf Wunsch vom ersten bis zum finalen Schritt zusehen. In seiner Werkstatt schneidet Kai Knecht von großen Lederbögen in vier Farbrichtungen einen Riemen in der gewünschten Farbe, Länge und Breite ab.

Gürtel mit Wunsch-Motiv "made in Hallenberg" - region, region-wi-me-ha, hallenberg
Foto: Rita Maurer

Auch die Löcher stanzt er passend mit der Hand aus. Das Ende des Lederriemens befestigt Knecht dann ohne Leim in der Schnalle – auf eine Art, an der er lange herumgetüftelt hat und die deshalb sein Betriebsgeheimnis bleibt. Den Ansatz, die Holzschließe zu lackieren, verwarf er schnell wieder. „Das passt nicht zu so einem handgemachten, unbehandelten Stück. Das Leder und das Holz müssen Spuren vom Leben kriegen, erst dann wirkt es richtig. Ich könnte eine lebenslange Garantie geben, denn sowohl am Leder als auch am Holz gibt es bei vernünftigem Umgang keine Verschleißteile.“

Die Anregung, Gürtel für Damen mit Strass und Schmuckelementen zu verzieren, hat Kai Knecht deshalb auch nicht aufgenommen: „Das passt nicht zu mir und zu meinem Konzept. Meine Gürtel sind keine Modeerscheinung.“

Gürtel mit Wunsch-Motiv "made in Hallenberg" - region, region-wi-me-ha, hallenberg
Foto: Rita Maurer

Und dieses Konzept kommt an, das weltweite Netz macht es möglich: Mittlerweile haben Gürtel von Kai Knecht sogar von Hallenberg bis nach New York oder Neuseeland gefunden. Auch hölzerne Ringe, Armbänder oder Kettenanhänger aus eigener Fertigung bietet Kai Knecht dort an.

Gürtel mit Wunsch-Motiv "made in Hallenberg" - region, region-wi-me-ha, hallenberg
Foto: Rita Maurer

An der Wand in seiner Küche hängen einige grobe Bretter nebeneinander, auf denen mit vier Lederstreifen eine Weltkarte befestigt ist. Darunter eine Kommode, die aussieht, als sei sie aus Paletten, aber aus viel haltbarer Eiche gebaut ist. Über dem Tisch hängt ein verwitterter Holzbalken mit kleinen LED-Spots als Lampe. Alles selbst entworfen und gebaut. Kai Knechts Kreativität beschränkt sich nicht nur auf Gürtel. Hoffentlich geht ihm noch öfter etwas kaputt!

 

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