„Gib dem Kind ein Bütterken, es kommt aus Repe.“

700 Jahre Repe – oder mehr

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Luftbild Repe - Sauerland
Luftbild Repe - Sauerland

Die Repe, ein Nebenfluss der Lenne, stellte schon in frühen Besiedlungszeiten eine wichtige Energiequelle dar. Ob als treibende Kraft für das Mühlhandwerk und die Marmorschleiferei oder auch als Bleichplatz – die Gründe für eine Ansiedlung waren zahlreich. Durch die Begünstigung vieler Handwerke entstand auch das Dorf Repe um den gleichnamigen Fluss, das in diesem Jahr vor 700 Jahren, am 31. Mai 1317, erstmals erwähnt wurde.

Der Fluß Repe
Der Fluss Repe

Entstanden ist es vermutlich viel früher. Unterteilt wird das Dorf durch Fluss und Lage in Sommer- und Winterseite; unten an der Sommerseite des Dorfes steht die denkmalgeschützte Kapelle, die dem heiligen St. Hubert geweiht ist.

„Als Kind konnte ich die Leute nach ihren Häusern aufzählen“, schmunzelt Ulla Peltner, die Schriftführerin des Reper Dorfvereins. „Da kannte man noch wirklich jeden.“ Auch heute pflegen die rund 130 Bewohner des Dorfes eine enge Gemeinschaft. Ebenso eng ist der Kontakt zum Nachbardorf Helden, mit dem die Reper gemeinsam Schützenfest feiern. Der amtierende Schützenkönig, Karl Josef König, sowie der amtierende Jungschützenkönig, Hans Lange, sind beide aus Repe.

Doch Repe hat auch eigene Vereine: „Zum einen ist da der Verein zur Förderung der Reper Dorfgemeinschaft“, zählt Ulla Peltner auf. „Dann der Kapellenverein St. Hubertus, die Kegelclubs „Die lustigen Pflaumen“ und „Die, die Keinen mögen“.

Das Dorf unterteilt sich auf zwei Hänge, die von der Repe getrennt werden. Aus diesem Grund gibt es zwei Wasservereine, von denen jeder für eine Seite zuständig ist.

Kapellenrenovierung im Jahre 1996 in Repe
Kapellenrenovierung im Jahre 1996 in Repe

Innerhalb der Dorfgemeinschaft wurde so manches aus eigener Kraft und in Zusammenarbeit erledigt. „Wir haben erstaunlich viele unterschiedliche Handwerksgruppen hier vertreten“, lacht Ulla Peltner. „So konnten wir das Gemeinschaftshaus in Eigenregie bauen und auch das Dach der Kapelle erneuern.“

Die lebenden Traditionen der Reper sind zahlreich und haben durch das Dorfgemeinschaftshaus eine Heimat gefunden. Die erste oder auch letzte Tradition des Jahres findet in der Nacht auf Neujahr statt. Die Männer des Dorfes versammeln sich und singen gemeinsam das Silvesterlied. „Früher gingen sie noch von Haus zu Haus“, erklärt Ulla Peltner. Außerdem gehen die Männer mittags am Neujahrstag erneut los zum Singen.

Neujahrstreffen der Frauen in Repe
Geselliges Neujahrstreffen der Reper Frauen im Dorfgemeinschaftshaus

Dabei sammeln sie Mettwürstchen und Geld, bekommen Schnaps, Bier und in einem Haus sogar Kaffee und Kuchen. „Das war Zufall! In einem Jahr kamen die Sänger zufällig in dem Moment vorbei, als diese Reper Familie die Verwandtschaft zu Kaffee und Kuchen zu Besuch hatte. Da satte Sänger bekanntlich besser singen und länger durchhalten, wurden sie nicht nur kurzerhand an den Kaffeetisch gesetzt, sondern bekommen dort seitdem jedes Jahr Kaffee und Kuchen. Abends gibt es dann Mettwürstchen, Kartoffeln und Sauerkraut für das gesamte Dorf im Gemeinschaftshaus. Die ehemalige Gastwirtin kocht das Sauerkraut und die gesammelten Mettwürstchen, während andere die Kartoffeln schälen und kochen. Anschließend versammelt sich das ganze Dorf zum gemeinsamen Essen; auch „Wursteball“ genannt. Eine kleine Tradition gibt es dabei noch: Jeder neue Sänger wird zeremoniell zum Neujahrssänger geschlagen: Mit einer Pfanne auf den Allerwertesten.

Neujahrssänger Repe
Neujahrssänger vor dem Dorfgemeinschaftshaus

Das Feiern der Reper beschränkt sich natürlich nicht nur auf die Zeit um Neujahr. „Lüttecke Fastnacht“, das Altweibersingen, wird ebenfalls immer noch gerne gefeiert. Dazu gehen die Kinder von Haus zu Haus, singen das Fastnachtslied und bekommen dafür Süßigkeiten.

Die Klapperkinder von Repe
Ein Bild aus dem Jahr 1998: Die Klapperkinder von Repe

Bald darauf geht es für sie um Ostern weiter. Von Gründonnerstag an klappern die Klappern der Kinder, in Erinnerung an den Tod und die Auferstehung von Jesus Christus, der drei Tage in seinem Grab gelegen hatte. In der Zeit läuten die Glocken der St. Hubertus-Kapelle nicht. An Karsamstag gehen die Kinder außerdem von Haus zu Haus und sammeln Eier, Geld und Süßigkeiten. Seit rund 20 Jahren gibt es auch ein Osterfeuer. Wie auf anderen Festen des Dorfes lautet auch hier die Devise: „Jeder bringt mit, was er hat, und jeder darf sich bedienen.“

Eine weitere Tradition ist das Dorffest, welches alle zwei Jahre Ende Juni stattfindet. Eine Ausnahme ist dieses Jahr, denn dann findet das Fest am 27. und 28. Mai statt, um die 700-jährige Erwähnung des Dorfes gebührend zu feiern.

Die letzte Feier vor Weihnachten ist schließlich das Hubertusfest, das im November stattfindet. „Hubertus war früher schöner als Weihnachten“, sagen von den alten Einwohnern des Dorfes nicht wenige. Zu der Feier gehört unter anderem eine Messe in der Hubertuskapelle, bei der Brot gesegnet wird, das in früheren Jahren die Jagdhunde zu essen bekamen. „Das Brot wurde vermutlich gesegnet, um Jagdglück zu erhalten“, erklärt eine ältere Reperin, die Ulla und ich auf einem Spaziergang durch das Dorf treffen.

Dorfgemeinschaftshaus Repe
Blick auf das Dorfgemeinschaftshaus Repe

Sie weiß auch noch von einer weiteren Tradition – oder eher einem geflügelten Wort – nach dessen Bedeutung wir sie fragen: „Gib dem Kind ein Bütterken, es kommt aus Repe.“ „Die Reper und auch die Berlinghauser mussten früher stets zum Kommunionunterricht nach Helden laufen. Von Berlinghausen aus durch Repe hindurch gingen wir eine ganze Stunde. In Helden bekamen wir dann immer ein Bütterken.“ Dieses Bütterken wird es bald auch in Schokoladenform geben; produziert durch die Konditorei Harnischmacher.

Wer eines kaufen möchte, muss nur das Dorffest in diesem Jahr besuchen.

von Denise Fischer [Text/Fotos]
Björn Bernhardt/Ursula Peltner [Fotos]

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