Von Rita Maurer (Redaktionsbude)

Winterberg. Wenn man Carolin Sommer ansieht, bekommt man automatisch gute Laune: ein kunterbuntes Kleid mit roter Jacke, dazu geringelte Stulpen und Glitzer-Gummistiefel. Gerade jetzt, wo die Natur draußen noch eher trist und grau ist, ein echter Hingucker! Bunt, fröhlich, ausgefallen, nichts von der Stange und ganz individuell, so sind auch die Kleidungsstücke und Accessoires, die Carolin Sommer zusammen mit ihrer Schwester Ilka selber entwirft und näht – bisher zuhause im Central-Hotel in Winterberg, das sie mit ihrem Mann leitet – seit dieser Woche in ihrem gerade fertig gewordenen Geschäft „byzille“ in der Marktstraße 4.

Verspielt, farbenfroh und ein bisschen schräg - winterberg, region-wi-me-ha
Foto: Rita Maurer

„byzille“ heißt ihre Marke, die als Etikett an jedes fertige Stück genäht wird. Woher kommt der Name? „Zille ist der Spitzname meiner Tochter. Durch sie bin ich erst zum Nähen gekommen, weil ich für sie Kleidung wollte, die nicht jeder hat.“ Völlig übersättigt von grell-rosa Mädchen-Designs, Massenware und billigen Materialien erinnerte sich Carolin Sommer an die unvergänglichen Kleidungsstücke ihrer Oma, einer gelernten Schneiderin. Und so machte sie vor sechs Jahren ihre ersten eigenen Nähversuche – anfangs auf einem Stück Papier, um erst einmal Nähte und die Bedienung einer Nähmaschine zu üben.

 

Vom Nähfieber angesteckt und eigenen Stil entwickelt

Schnell entwickelte sie ihren eigenen Stil: sehr verspielt, farbenfroh, ein bisschen schräg und vor allem nicht an Trends gebunden. Das gefiel nicht nur ihr selbst und natürlich ihrer Tochter, sondern ruckzuck auch Freunden und Bekannten. Mit Christiana Wiegelmann traf sie in deren Stoffladen in Olsberg-Bruchhausen eine Gleichgesinnte mit einem Faible für außergewöhnliche Stoffe und Schnittmuster: „Christie hat mich mit ihrem Näh-Fieber endgültig angesteckt, von ihr habe ich sehr viel gelernt.“ Bis heute bezieht Carolin Sommer dort ihre Stoffe.

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Foto: Rita Maurer

Auf dem Regionalmarkt Ende Oktober 2013 stellte sie ihre Werke zum ersten Mal der Öffentlichkeit vor und holte sich für die Vorbereitung Schwester Ilka ins Boot. Carolin Sommer erinnert sich lachend: „Wir haben schon vier Wochen vorher jeden Tag genäht. Morgens um 5 Uhr kurz vor der Eröffnung saß dann endlich der allerletzte Knopf.“ Der Auftritt auf dem Regionalmarkt wurde ein voller Erfolg und aus dem anfänglichen Hobby ein gemeinsamer Nebenberuf.
Verspielt, farbenfroh und ein bisschen schräg - winterberg, region-wi-me-haZur normalen Nähmaschine kamen nach und nach eine Overlock-, eine Coverlock- und eine Stickmaschine dazu. Mit letzterer kann nun jedes handgefertigte Stück mit Wunsch-Namen oder -Motiven bestickt und so noch persönlicher gemacht werden. Auch selbstgestrickte oder -gehäkelte Mützen, Stulpen und Socken gehören zum Angebot. Außer in ihrem Laden zeigen die beiden Schwestern ihre Sachen auch auf Messen und Märkten oder sammeln dort neue Ideen.

 

 

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Foto: Rita Maurer

Mit dem eigenen im 70er-Jahre-Stil eingerichteten Laden in der Marktstraße haben sich Carolin und Ilka Sommer nun einen Traum erfüllt. Neben selbstgenähter Kleidung für Kleine und Große – teilweise im Partnerlook für Mama und Tochter – und verschiedenen Marken wie Blutsgeschwister, Tranquillo oder den skandinavischen Mode-Labels Danefae und Nordkinder, bieten die beiden hier originelle Gummistiefel von Tom Joule´s samt passenden

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Foto: Rita Maurer

Regenmänteln an; außerdem Taschen, Krabbeldecken, Bettwäsche, gestrickte oder gewalkte Stulpen für Beine und Hände, Mützen, Schultüten, Stofftiere, Geschenkartikel oder kleine Habseligkeiten– eben fast alles, was sich aus Stoff und Wolle zaubern lässt. Die kleinen Kunden dürfen in einem eigenen Raum im neuesten byzille-Chick stöbern.

Laden mit extra „Kinderzimmer“ und Nähtreff

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Foto: Rita Maurer

Außerdem gibt es in ihrem neuen Laden einen Extra-Raum mit Tischen und Nähmaschinen, in dem neben Workshops auch regelmäßig ihr Nähtreff stattfinden soll, der sich schon im Central-Hotel etabliert hat. Hier werden Erfahrungen und Ideen ausgetauscht, die ersten Schritte an der Nähmaschine erklärt oder hilfreich über die Schulter geguckt, wenn die Naht mal nicht so richtig sitzen will. Aber auch geklönt, gelacht und einfach der Alltag für ein paar Stunden vergessen. „Betreutes Nähen“, nennt Carolin Sommer dieses Angebot. Hier können auch Nähmaschinen ausprobiert werden, die das Mescheder „Nähkästchen“ von Lore und Heinz Goesmann ausleiht.

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Foto: Rita Maurer

Der gesamte Laden ist ein Paradies zum Stöbern für Mädchen- und Frauenherzen. „Das, was ich verkaufe, würde ich alles selber tragen. Mein Geschäft ist bunt wie eine Blumenwiese.“ Aber auch Jungensachen liegen Carolin Sommer am Herzen: „Kleidung für Jungen ist oft nur in blau, grün, braun oder grau gehalten. Warum nicht einfach mal mehr Farbe wagen?“
Was macht Carolin Sommer nach einem langen Tag als Ausgleich? „Andere lesen ein Buch zum Entspannen, ich habe immer Wolle und Stricknadeln dabei, auch im Urlaub. Das ist mein Weg, um einen Gang runter zu fahren. Eine Nähmaschine passt ja leider nicht in meine Tasche.“ Wieviel Herzblut Carolin Sommer in ihre handgearbeiteten Sachen steckt, beweist ihr Tattoo am linken Unterarm: eine Kleiderpuppe mit Garnrolle und Schere!

 

 

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