Er schaute immer wieder auf seine Uhr, bis es schließlich amtlich war. In unfassbaren 1:34.35,5 hatte Benjamin Selter soeben den Engadin-Skimarathon zurückgelegt. Hinter ihm lagen 42 Kilometer in rund 1800 Metern Höhe und gespickt mit knackigen Anstiegen und Abfahrten. Zum 49. Mal wurde das weltweit größte Skatingrennen und nach dem Wasa-Lauf zweitgrößte Wintersportevent überhaupt in den Schweizer Bergen gestartet. Mehr als 13 200 Skilangläufer aus über 60 Ländern hatten bei leichten Minustemperaturen den Weg in das Engadiner Langlaufeldorado rund um St. Moritz gefunden. Den Stellenwert des Rennens dokumentierte erneut eindrucksvoll die Startliste, die neben Dreifacholympiasieger Dario Cologna, dem Norweger Anders Gloeersen und dem einheimischen WM-Starter Curdin Perl viele weitere bekannte internationale Namen enthielt. Sie alle jedoch mussten zwei Tage vor dem Rennen noch einmal zittern. Heftige Regenfälle hatten einen großen Teil der Strecke in eine kleine Seenlansschaft verwandelt. Ein rechtzeitiger Wetterumschwung und der unermüdliche Einsatz hunderter Freiwilliger sorgten am Sonntag jedoch für optimale Loipenverhältnisse.

„Leichte Minusgrade und strahlend blauer Himmel vor der herrlichen Bergkulisse der Viertausender sorgen schon für eine gute Grundstimmung“, legte auch Benjamin Selter seine Motovationslage am Start offen. Seine Platzierung im Vorjahr sowie seine aktuellen FiS-Punkte bescherten ihm einen Startplatz im allerersten Block. „Wenn du mit den internationalen Langlaufstars Schulter an Schulter ins Rennen gehst, ist das schon ein außergewöhnliches Erlebnis“, ergänzte der 20jährige Student aus den Reihen des TV Attendorn. Dass er sich dort nicht verstecken musste stellte er anschließend eindrucksvoll unter Beweis. Zunächst 13 Kilometer ebenes Gelände über zugefrorene Seen, dann rund 10 Kilometer mit anspruchsvollen Anstiegen und Abfahrten und vor allem die letzten schweren 5 Kilometer in kupiertem Gelände konnte er sich stets in der Spitzengruppe halten und lief dabei einen Durchschnitt von knapp 30 Stundenkilometern. „Es war einfach fantastisch und total motivierend immer wieder durch Spaliere von begeisterten Zuschauern an der Strecke und in den Orten zu laufen“, ergänzt Selter, der letztendlich mit seinen 1:34.35,5 nach 42 Kilometern lediglich gut 6 Minuten hinter dem Sieger, Olympiasieger Dario Cologna lag. Seine Platzierung im ersten Prozent der gemeldeten Athleten garantieren ihm auch 2018 wieder einen Startplatz im absoluten Elitefeld.

Mit am Start waren zudem auch Vater und Schwester. Uli Selter lief bereits seinen 28. Engadin Marathon und konnte sich am Ende über die Zeit von 2:46.51,9 und einen Platz im ersten Drittel des Gesamtfeldes freuen.Lea Selters Start war bis zum Schluss noch fraglich. Die 17jährige Schülerin des St. Ursula-Gymnasiums hatte nach einem hartnäckigen Infekt länger mit dem Training aussetzen müssen und wollte bei ihrem 2. Start einfach nur ins Ziel kommen.

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