150. JAHRE ST. JOHANNES SCHÜTZENBRUDERSCHAFT SIEDLINGHAUSEN – EIN DORF, EINE TRADITION
„IN UNSEREM WUNDERSCHÖNEN DÖRFCHEN, DA FEIERN WIR EIN FEST, BELIEBT IST ES BEI ALLEN BÜRGERN, DAS SCHÖNE SCHÜTZENFEST!“ – DIESER LIEDTEXT IST IN SIEDLINGHAUSEN NICHT MEHR WEGZUDENKEN UND BRINGT AUF DEN PUNKT, WAS DIE ST.JOHANNES SCHÜTZENBRUDERSCHAFT SEIT 150 JAHREN PRÄGT: GEMEINSCHAFT, TRADITION UND EIN FEST VERANKERTER PLATZ IM DORFLEBEN.
Von Sandra Ritter
Dass in Siedlinghausen seit nunmehr 150 Jahren Schützenfest gefeiert wird, ist 90 Männern zu verdanken, die am 26. Juni 1876 in der Gaststätte „Hüttemeisters“ die Schützengesellschaft gründeten. Schon im Gründungsjahr wurde mit Martin Wahle der erste Schützenkönig ermittelt.
Das erste Schützenfest fand in zwei Lakenzelten hinter dem alten Pastorat statt. Später schaffte man ein eigenes Festzelt an, bis schließlich 1905 die Schützenhalle fertiggestellt wurde. Ihre Bauweise aus ausgemauertem Fachwerk und Holzkonstruktion zeigt noch heute die handwerkliche Leistung der damaligen Zeit. Seit dem Jahr 2000 steht sie unter Denkmalschutz.
Die Schützenhalle hat im Laufe der Zeit vieles erlebt, darunter schwere Beschädigungen durch Artilleriebeschuss im April 1945. In den folgenden Jahrzehnten wurde sie mehrfach erweitert und liebevoll in vielen ehrenamtlich Stunden instandgehalten.
Auch die jüngste große Maßnahme zeigt den hohen Einsatz der Mitglieder: die Sanierung des Dachs. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass der vor 25 Jahren verwendete Schiefer nicht dauerhaft geeignet war, wurde in Abstimmung mit dem Dachdeckerbetrieb Klüppel, Bürgermeister und dem Denkmalschutz eine neue Lösung gefunden. Entscheidend fiel die Wahl auf ein modernes Stehfalz-Dach. Innerhalb von nur vier Wochen wurde die Rückseite der Halle – die Wetterseite zur Kolpingstraße – erneuert. Der Abriss des alten Dachs erfolgte in einer Woche. Dafür traf sich der Schützenvorstand jeden Abend ab 17 Uhr. Allen voran Dachdecker und Königsoffizier Sven Hertwig, der die Arbeiten koordinierte. An den folgenden Samstagen standen die Dachdeckerarbeiten an. Diese übernahmen Sven und sein Arbeitskollege Patrick – seit vielen Jahren ein eingespieltes Team im Dachdeckerbetrieb Klüppel. Auch hier wurde der Vorstand tatkräftig eingebunden: Er half beim Kanten der Bleche und brachte das Material aufs Gerüst. Was den ein oder anderen ordentlich aus der Puste brachte.


In 150 Jahren sammeln sich so einige Geschichten und Veränderungen an. Dazu gehört auch die Entwicklung der Jungschützenabteilung, die aus einer Initiative engagierter Jugendlicher hervorging und sich längst fest etabliert hat – inklusive eigenem Fest und der beliebten „Shootout“-Party. Ein besonderes Kapitel bildet die Zeit der Corona-Pandemie. Trotz großer Einschränkungen gelang es, mit kreativen Ideen Schützenfeststimmung ins Dorf zu bringen – von Aktionen im Homeoffice bis hin zu Livestreams und Mitmachformaten.
Das Highlight ist – auch in Siedlinghausen – ganz klar das Vogelschießen. Schon Wochen vorher wird im Ort gemunkelt und gerätselt, wer neuer König wird. Besonders in Erinnerung ist vielen die Geschichte des geklauten Vogels, der vor dem Vogelschießen 1973 in einer Nacht und Nebelaktion von der Vogelstange abmontiert und durch einen neuen ersetzt wurde. Die Diebe, darunter der Erbauer, fanden den Vogel zu schade zum Abschießen. 2002 wurde er zurückgebracht und hängt seitdem über der großen Theke. Zwei Majestäten hatten unterwartet lange Amtszeiten inne; Heinrich Klauke während des Zweiten Weltkriegs sowie Markus „Schnitte“ Schmidt in der Corona-Zeit. Mit ihrem Leitspruch „Glaube-Sitte-Heimat“ sind die Schützenbrüder nicht nur zum Schützenfest aktiv, sondern gestalten das Dorfleben darüber hinaus mit. Seit einigen Jahren veranstalten sie das Preisschießen, begleiten das Kinderschützenfest, den Martinsumzug sowie die stetige Teilnahme an kirchlichen und gesellschaftlichen Veranstaltungen.
Im Jubiläumsjahr haben sich die Schützenbrüder einiges einfallen lassen. In der neuesten Chronik, die die letzten 25 Jahre umfasst, könnt ihr spannende Geschichten und die Ereignisse des letzten Vierteljahrhunderts nachlesen. Zudem sind die Majestäten aufgeführt und einige „Dönekes“ sind neben vielen Bildern hier zu finden. Ebenfalls erscheint eine Jubiläumszeitung mit einem Zeitstrahl der prägendsten Daten des Vereins über 150 Jahre, dem gesamten Schützenvorstand und vielem mehr. Bereits im letzten Jahr erschien das Schützenspiel „Werde Schützenkönig in Siedlinghausen“, das einen tollen Auftakt mit einem witzigen Spieleabend bei Lingenaubers hatte. Begleitet wurde das Ganze vom WDR und einige Tage später dort ausgestrahlt. Zudem gibt es eine neue Fahne, die beim Jubiläumsfest am 20. Juni erstmalig präsentiert und geweiht wird.
EIN JAHR IM ZEICHEN DES JUBILÄUMS: FEIERN IM JUNI UND JULI
Den Auftakt des Jubiläums bildet das Fest am 20. Juni 2026. Der Tag beginnt um 13 Uhr mit einem Wortgottesdienst. Nach der Fahnenweihe und dem Marsch zur Schützenhalle startet dort um 15 Uhr die Jubiläumsfeier.
Im Festakt folgen ein Rückblick auf die Vereinsgeschichte, die Vorstellung der neuen Chronik sowie Grußworte der Gäste. Direkt im Anschluss findet das Kaiserschießen statt, bei dem alle Zuschauer gespannt sind, wer den amtierenden Kaiser Maxi Gnoyke ablösen wird. Ab 20 Uhr wird dann kräftig gefeiert mit der Liveband „Moskito Live“ in der Schützenhalle.
DAS SCHÜTZENFEST SELBST FINDET VOM 18. BIS 20. JULI 2026 STATT


Gemeinsam mit dem Vorstand und dem Königspaar Ralf und Uta Michalski blickt die Bruderschaft drei Festtagen entgegen. Besonders am Montag steht das Vogelschießen im Mittelpunkt.
Der Festauftakt ist am Samstag, 18. Juli 2026, um 15 Uhr mit einem Ständchen bei Lingenaubers. Um 16.30 Uhr tritt die Bruderschaft an der Kirche an, gefolgt vom Gottesdienst um 17 Uhr mit musikalischer Begleitung, Kranzniederlegung und Gefallenenehrung. Am Abend folgen Ehrungen der Jubilare, Großer Zapfenstreich und Tanz in der Halle.
Am Sonntag, 19. Juli 2026, werden ab 12.30 Uhr die auswärtigen Vereine an der Schützenhalle empfangen. Nach der Ansprache des 1. Brudermeisters Martin Brings folgt das Antreten der Schützen und um 14 Uhr der große Festzug mit Parade. Danach schließen sich Königstanz, Kindertanz und Festball an. Die Ehrungen der Mitglieder erfolgen in diesem Jahr auf der Generalversammlung.
Der Montag, 20. Juli 2026, beginnt um 9.30 Uhr mit dem Antreten an der Kirche und dem Abholen des Königs. Es folgt das Vogelschießen mit anschließender Proklamation des neuen Königs und Vizekönigs. Am Nachmittag wird der König aus dem Festzug herausgebracht, bevor am Abend erneut mit Festzug, Tänzen und Musik bis in die Nacht gefeiert wird.
Fotos: Bodo Kräling, St. Johannes Schützenbruderschaft