100 JAHRE EVANGELISCHE KIRCHENGEMEINDE WINTERBERG
FUSION MIT MEDEBACH IM MAI 2024.
Eine Kirche seit 100 Jahren, eine Gemeinde seit 100 Jahren, Zusammenhalt seit 100 Jahren: Beim Fest der evangelischen Kirchengemeinde Winterberg gibt es am 29. Juni 2025 deshalb guten Grund zum Feiern.
Die Spanne von 100 Jahren ist eine Zeit, die sich selbst durch die ältesten Mitglieder der Gemeinde nicht mehr überblicken lässt; aber es ist noch keine „ferne Vergangenheit“. In einer Region, die bis um 1800 durch Kurköln weitestgehend vom Katholizismus geprägt war, war es ein langer Weg bis zu einer eigenen Gemeinde. Dabei gibt es einen Teil des heutigen Stadtgebietes, der seit alters her evangelisch war, und zwar die 1975 zur heutigen Stadt Winterberg eingemeindeten Höhendörfer Neuastenberg, Langewiese, Mollseifen und Hoheleye. Wenn man sich der Geschichte dieser Gemeinde widmen will, kommt man an Dr. Friedrich Opes nicht vorbei. Selber ein Gemeindeglied und Vorstandsmitglied des Heimat- und Geschichtsvereins Winterberg interessierte ihn schon immer alles, was mit der Gemeinde zu tun hatte. Schließlich ist seine Familie seit 1893 hier ansässig und somit die älteste noch im Bereich der Kernstadt lebende evangelische Familie.
Um 1900 war die Anzahl der evangelischen Winterberger auf etwa 100 Seelen angewachsen, und es wurde ein Kirchenbauverein gegründet. Bis zur eigentlichen Gemeindegründung dauerte es auch aufgrund des Ersten Weltkrieges aber noch ein Vierteljahrhundert. Am 28. Juni 1925 wurde unter Hilfsprediger Johannes Hoensch der Grundstein für das Pfarr- und Gemeindehaus gelegt. In dessen großem Saal fanden die Gottesdienste statt. Zur neuen Gemeinde gehörten bis 1933 auch Hallenberg und seine Dörfer.



Das kirchliche Leben konsolidierte sich langsam. Dr. Friedrich Opes ergänzt: „Ab 1933 muss es allerdings heftig zugegangen sein. Die Politik wirkte sich auch auf die Gemeinde aus. 1936 kam dann immerhin ein erfahrener Pfarrer, Heinrich Luhmann aus Gleidorf, der allerdings gesundheitlich sehr angeschlagen war. Als 1942 meine Tante konfirmiert wurde, war er nach der Konfirmation nicht mehr in der Lage, den Konfirmierten das Abendmahl auszuteilen. Das musste nachgeholt werden. Er ist dann noch im selben Jahr gestorben.“
DAS „KNÜBBELCHEN“
Nach dem Krieg war die Gemeinde aufgrund der Ostvertriebenen auf 1600 Personen angewachsen. Pfarrer Arnscheidt kam nach Winterberg, und die Gemeinde bestand ab 1955 neben der Kernstadt aus Altastenberg mit Lenneplätze, Elkeringhausen, Niedersfeld und Züschen. Nicht nur in Winterberg wurde gepredigt, sondern auch im Tannenhof (Altenheim), in Niedersfeld und in Züschen. Die gestiegene Zahl der evangelischen Christen machte 1964 den Kirchbau möglich. „Pfarrer Arnscheidt soll an etlichen Stellen rund um die Stadt das Baugeschehen, vor allem beim Turm, kritisch beäugt haben“, weiß Friedrich Opes. „1981 erfolgten die nächsten Baumaßnahmen; das Gemeindezentrum, von den Gemeindegliedern liebevoll „Knübbelchen“ genannt, wurde errichtet.“ Ab 2004 zwangen Strukturmaßnahmen dazu, über eine Vergrößerung der Gemeinde nachzudenken. Zwar wurden drei Jahre später die Höhendörfer der Ev. Gemeinde Winterberg zugeteilt, doch es waren weitere Schritte notwendig. Das betraf vor allem die Gebäude. So trennte sich die Gemeinde von dem 1925/26 gebauten Gebäudetrakt, nachdem das Gemeindehaus in Züschen schon 2012 verkauft worden war.
In einem weiteren Schritt soll jetzt noch der größte Teil des „Knübbelchens“ abgerissen werden. Nur ein Rest soll für Toiletten und Teeküche bleiben. Das Innere der Kirche ist bereits an die neuen Erfordernisse angepasst: „Parallel zu den Verkäufen 2017 wurde auch der Innenraum neu gestaltet. Wir haben eine neue größere Empore, unter der sich ein Gemeinderaum befindet, den man bei Bedarf öffnen und zu einem Teil des Gottesdienstraumes machen kann.“
Der bisher letzte strukturelle Schritt in der Gemeinde wurde 2024 getan: Die Gemeinden in Medebach und Winterberg haben zur Friedenskirchengemeinde Hochsauerland fusioniert und im Mai ihre Vereinigung gefeiert. Die vergrößerte Gemeinde gehört zum Kirchenkreis Siegen-Wittgenstein und zählt aktuell rund 2500 Gemeindemitglieder. Nach den Maßgaben der Landeskirche soll bald eine Pfarrstelle auf 5000 Personen gerechnet werden. „Es ist vor diesem Hintergrund schon beachtlich, dass 1925 eine Gemeinde mit ungefähr 200 Personen gegründet werden konnte“, stellt Dr. Friedrich Opes fest. Versorgt werden alle Predigtstätten von Pfarrerin Dr. Sandra Gintere.


JUBILÄUMSFEIER AM 29. JUNI
Was bietet die Gemeinde sonst noch an? Da ist die Frauenhilfe mittwochs um 14.45 Uhr im Gemeindezentrum in Medebach, der Gesprächskreis über Leben und Glauben (Bibelkenntnisse sind ausdrücklich nicht erforderlich) – jeden 2. Samstag im Monat um 15 Uhr, der ökumenische Tanzkreis Winterberg – jeden 2. und 4. Dienstag im Monat um 18 Uhr und relativ neu Kreativkreis und Spieleabende. „Wir haben mal im Gesprächskreis über das Thema Lachen gesprochen, oder anders formuliert, ein Witz folgte dem nächsten“, verrät Dr. Opes schmunzelnd. Auch von Externen wird der Gemeinderaum in Winterberg genutzt, zum Beispiel für Selbsthilfegruppen. Und dann gibt es da noch die Gottesdienste der Rumänen, und im Sommer sind niederländische Touristengottesdienste Tradition.
Am Sonntag, 29. Juni 2025, gehört die Kirche der Evangelischen Gemeinde und ihren (Ehren-) Gästen. Um 14 Uhr beginnt der Festgottesdienst, im Anschluss wird mit Getränken und Fingerfood gefeiert. Vor dem Hintergrund der aktuellen weltpolitischen Lage gilt das Jubiläum als eine Chance, über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kirche ins Gespräch zu kommen.
DIESE PFARRER LEITETEN DIE KIRCHENGEMEINDE WINTERBERG
1924-1936 neun Hilfsprediger
1936-1942 Heinrich Luhmann (Ruheständler aus Gleidorf)
1945-1972 Hugo Arnscheidt
1973-1975 Martin Johanningmeier
1976-1992 Gilbert Drews
1992-1995 Herbert Kampmann
1996-2007 Manfred Gringel
2007-2017 Matthias Gleibe
Seit 2019 Sandra Gintere
Text: Kerstin Neumann-Schnurbus Fotos: Privat